Technisches Manifest der Neofuturistischen Poesie
(Donnerstag, den 23. November 2006)
Vorwort
Wir sind in ein neues Jahrtausend eingetreten. Wir haben ein Jahrhundert von Dichtern expressionistischer Dämmerungsvisionen, Symbolisten, Hermetikern, Neorealisten, Intimisten und Avantgardisten jeglicher Couleur hinter uns gelassen. Es ist nun der Zeitpunkt großer revolutionärer Veränderungen gekommen. Der Neofuturismus ist der Überzeugung, dass es, um unserem Lande wieder Kraft zu geben, notwendig geworden ist, auf einen neuen konzeptionellen Entwurf im Bereich der Dichtkunst zu setzen. Deshalb ist es nunmehr an der Zeit, die verweichlichte, resignierte, niedergeschlagene und der Kraft und des Mutes entledigte Poesie beiseite zu legen. Der menschliche Wert an sich und der künstlerische Genius des Abendlandes haben einen entschiedenen Richtungswechsel mehr als alles andere verdient. Und aus diesem gewichtigen Beweggrund lancieren wir heute dieses
TECHNISCHE MANIFEST DER NEOFUTURISTISCHEN POESIE.
Manifest der Neofuturistischen Dichtkunsttechnik
1. DIE INHALTE WERDEN VOLLER ENERGIE UND ZUTIEFST VITAL SEIN. Wir wollen die große Dichtkunst wieder erstehen lassen. Machen wir Schluss mit den nutzlosen Sentimentalismen und der Poesie der kleinen Dinge! Die Dichtkunst ist für große Seelen und handelt von großen Dingen. Der kleinbürgerliche Rest interessiert uns nicht.
2. Die Dichtkunst wird sich – wie alle Literatur – niemals auf einen manierierten und steril gewordenen Experimentalismus beschränken dürfen. DIE DICHTKUNST IST KEIN SPIEL.
Die Poesie: ... sie ist das Leben – ... das Leben ist poetisch.3. Die Binnenenergie unserer Themen wird in Sätzen großer kommunikativer Kraftanstrengung konzentriert sein müssen. Das Schlüsselwort für den neofuturistischen Dichter heißt “SYNTHESE“. Um den Menschen wachzurütteln bedarf es nicht allzu vieler Wortklaubereien.
4. Die Wahl der Metrik hängt von der Persönlichkeit des Künstlers ab und wird von der lyrischen Thematik diktiert sein: absolute Bevorzugung EINSCHNEIDENDER UND DRÄNGENDER RHYTHMEN.
5. Die Lesart der Handschrift wird KÜHN, hart und effizient – wenn nicht gar aggressiv, roh und gewalttätig – sein müssen: sofern der Wortvorrat nicht über die sprachlichen Ausdrücke verfügen sollte, die in der Lage wären, die visionäre Kraft unserer Inspiration zu unterstützen, würden wir uns auf keinen Fall geschlagen geben und dementsprechend NEOFUTURISTISCHE NEOLOGISMEN prägen.
6. Die SYNTAX wird hochgradig vereinfacht werden müssen. Der neofuturistische Dichter zielt geradeaus ins Schwarze.
7. Die bis zum Extrem reduzierte INTERPUNKTION wird auf keinen Fall den Fluss der schöpferischen Energie verlangsamen dürfen.
8. Wir werden dem KLANGLICHEN ASPEKT der Dichtkunst große Aufmerksamkeit widmen. Alliterationen, Assonanzen und Konsonanzen in der Reimtechnik werden niemals zum dekorativen Selbstzweck zu benutzen sein, sondern ihren Verwendungszweck darin finden, energisch unsere Botschaft zu verkünden.
9. Auf die gleiche Art und Weise werden METAPHERN und ANALOGIEN anzuwenden sein, um hierdurch ideelle Verbindungen zwischen auf den ersten Blick weit entfernten Realitäten herauszuarbeiten. Diese Annäherungen werden blitzartig spontan und von treffsicherer Unmittelbarkeit zu sein haben; auf keinen Fall verdreht und Früchte eines verzerrt schief denkenden Verstandes.
10. Wo immer es notwendig erscheinen mag, werden wir verschiedene TYPOGRAPHISCHE CHARAKTERE anwenden, um auf solche Art eine besonders manifestierte Expressivität der Lyrik oder einzelner Worte und Klänge graphisch zu exponieren. Auf diese Weise werden wir einige Textstellen größer und stärker hervorheben, damit sie so dem Leser in die Augen springen und in seinem Geist dann für immer eingemeißelt sein werden.
Fazit
DIE POESIE DER DAHINSIECHENDEN UND STERBENDEN IST TOT.